Krimi: Zehn kleine Negerlein
NÖN Melker Zeitung, Woche 02/2002


BESTE UNTERHALTUNG / Der Sport- und Kulturverein St. Oswald präsentiert einen packenden Krimi als spätes Weihnachtsgeschenk. Weitere Spieltermine sind am 11., 13., 18. und 19. Jänner.


ST. OSWALD / Es ist bereits 20jährige Tradition, dass die St. Oswalder Fußballer in der Winterpause ihre Trikots mit Theaterkostümen tauschen, um zu darstellerischen Höhenflügen aufzulaufen.
   Mit Recht nennen sie sich Sport- und Kulturverein, und was derzeit auf der Bühne im Gasthaus Wimmer geboten wird, ist Spannung und Unterhaltung auf höchster Ebene.
Schon immer richtete sich ein besonderes Augenmerk auf die Stückwahl, und in diesem Jahr steht mit Agatha Christie's "Zehn kleine Negerlein" ein Stück Krimi-Weltliteratur auf dem Spielplan.
   Zehn Personen, einander fremd, finden sich auf Einladung eines gewissen Herrn Onym in einem Haus auf einer einsamen Insel ein - nur der Gastgeber selbst ist verhindert und erscheint nicht. Abgeschnitten von der Außenwelt sind die Gäste gezwungen, gemeinsam ein Wochenende zu verbringen, das für sie bald unangenehm aufregend wird. Denn eine fremde Stimme klagt jeden einzelnen eines Verbrechens an. Bald danach beginnt ein schauerlicher Reigen: Einer nach dem anderen stirbt - genau in Reihenfolge der Strophen des bekannten Kinderliedes "Zehn kleine Negerlein".
   Spannend, voll Witz und Ironie wird dieser Krimi erzählt, werden rätselhafte Fäden gesponnen und das Publikum entkommt nicht der Versuchung, insgeheim Detektiv zu spielen.

Ideale Spielwiese

Die großartig gestaltete Bühne bietet eine ideale "Spielwiese", und Regisseur Viktor Hinterndorfer, selbst als skurriler General auf der Bühne, versteht es in packenden Bildern, sein überaus geschlossenes Ensemble brilliant zu führen.
   Die Rollen scheinen den Akteuren wie auf den Leib geschneidert: Eva Steinkellner verleiht der Privatsekretärin Claythorn nicht nur attraktive Anmut, sondern auch Empfindlichkeit bis hin zu Hysterie.
   Leopold Leonhartsberger und Leopold Fischl servieren ihre Pointen souverän und gekonnt locker, Bernhard Kremser vermag bei seinem Bühnendebüt als Arzt Dr. Armstrong die Fallhöhe von der überragenden Souveränität bis hin zum nervlichen Wrack hervorragend darzustellen, Martin Hinterndorfer verfolgt als Staatsanwalt Wagrave mit Akribie die gespenstischen Spuren, bis er selbst Opfer dieser zynischen Gründlichkeit wird.
   Aber auch Leopold Hilber, Peter Fichtinger, Margit Hinterndorfer und Christa Muthenthaler tragen wesentlich zu diesem spannungsgeladenen Abend bei.
   "Zehn kleine Negerlein" ist ein Abend, der die Fahrt ins winterliche Waldviertel mehr als lohnt und der zeigt, wie nahe Fußball und Theater verwandt sein können: ein Mannschaftsspiel - mitreißend, aufregend und unterhaltsam.
   Weitere Spieltermine: Freitag 11., Sonntag 13., Freitag 18., Samstag 19. Jänner 2002, jeweils 20 Uhr.
   Kartenreservierung: Gasthof Wimmer, 07415/7294.




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