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ST. OSWALD / Es ist bereits 20jährige Tradition, dass die
St. Oswalder Fußballer in der Winterpause ihre Trikots mit Theaterkostümen
tauschen, um zu darstellerischen Höhenflügen aufzulaufen.
Mit Recht nennen sie sich Sport- und Kulturverein, und
was derzeit auf der Bühne im Gasthaus Wimmer geboten wird, ist Spannung
und Unterhaltung auf höchster Ebene.
Schon immer richtete sich ein besonderes Augenmerk auf die Stückwahl,
und in diesem Jahr steht mit Agatha Christie's "Zehn kleine Negerlein"
ein Stück Krimi-Weltliteratur auf dem Spielplan.
Zehn Personen, einander fremd, finden sich auf Einladung
eines gewissen Herrn Onym in einem Haus auf einer einsamen Insel ein -
nur der Gastgeber selbst ist verhindert und erscheint nicht. Abgeschnitten
von der Außenwelt sind die Gäste gezwungen, gemeinsam ein Wochenende
zu verbringen, das für sie bald unangenehm aufregend wird. Denn eine
fremde Stimme klagt jeden einzelnen eines Verbrechens an. Bald danach
beginnt ein schauerlicher Reigen: Einer nach dem anderen stirbt - genau
in Reihenfolge der Strophen des bekannten Kinderliedes "Zehn kleine
Negerlein".
Spannend, voll Witz und Ironie wird dieser Krimi erzählt,
werden rätselhafte Fäden gesponnen und das Publikum entkommt
nicht der Versuchung, insgeheim Detektiv zu spielen.
Ideale Spielwiese
Die großartig gestaltete Bühne bietet eine ideale "Spielwiese",
und Regisseur Viktor Hinterndorfer, selbst als skurriler General auf der
Bühne, versteht es in packenden Bildern, sein überaus geschlossenes
Ensemble brilliant zu führen.
Die Rollen scheinen den Akteuren wie auf den Leib geschneidert:
Eva Steinkellner verleiht der Privatsekretärin Claythorn nicht nur
attraktive Anmut, sondern auch Empfindlichkeit bis hin zu Hysterie.
Leopold Leonhartsberger und Leopold Fischl servieren
ihre Pointen souverän und gekonnt locker, Bernhard Kremser vermag
bei seinem Bühnendebüt als Arzt Dr. Armstrong die Fallhöhe
von der überragenden Souveränität bis hin zum nervlichen
Wrack hervorragend darzustellen, Martin Hinterndorfer verfolgt als Staatsanwalt
Wagrave mit Akribie die gespenstischen Spuren, bis er selbst Opfer dieser
zynischen Gründlichkeit wird.
Aber auch Leopold Hilber, Peter Fichtinger, Margit Hinterndorfer
und Christa Muthenthaler tragen wesentlich zu diesem spannungsgeladenen
Abend bei.
"Zehn kleine Negerlein" ist ein Abend, der
die Fahrt ins winterliche Waldviertel mehr als lohnt und der zeigt, wie
nahe Fußball und Theater verwandt sein können: ein Mannschaftsspiel
- mitreißend, aufregend und unterhaltsam.
Weitere Spieltermine: Freitag 11., Sonntag 13., Freitag
18., Samstag 19. Jänner 2002, jeweils 20 Uhr.
Kartenreservierung: Gasthof Wimmer, 07415/7294.
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